I. Quantitative
Angaben zur Versorgungssituation psychisch Kranker und seelisch Behinderter
Der Landesfachbeirat hatte im
Jahresbericht 1995 Daten zur Versorgungssituation in Niedersachsen zusammengestellt.
Vor dem Hintergrund der Novellierung des Niedersächsischen Gesetzes über
Hilfen und Schutzmaßnahmen für psychisch kranke (NPsychKG) im Juni 1997 und der
damit verbundenen Aufgabe der Kommunen Sozialpsychiatrische Verbünde zu
gründen, in denen alle Versorger ihre Hilfeangebote bündeln und koordinieren,
erschien es sinnvoll, diese Bestandsaufnahme auf den neuesten Stand zu bringen,
um so zu zeigen, was in den einzelnen Kommunen - sprich
"Verbundsgrenzen" - bereits an Regionalinventar vorhanden ist.
Der aktuelle Stand der
Versorgung psychisch Kranker in Niedersachsen ist in den nachfolgenden
Tabellen dokumentiert.
Die Aufstellung der vom Land
geförderten Plätze des Betreuten Wohnens konnte dieses mal
nicht nach Plätzen für seelisch bzw. geistig behinderte Menschen ausdifferenziert
werden. Nach Einschätzung des Niedersächsischen Sozialministeriums liegt der
Prozentsatz der geförderten Plätze des betreuten Wohnens für geistig sowie
seelisch Behinderte bei jeweils ca. 50 Prozent. Dies dürfte sich aber - wie
schon in der Aufstellung im Jahresbericht 1995 dokumentiert - nur auf die
Gesamtzahl aller in Niedersachsen geförderten Plätze beziehen. Zu vermuten ist,
daß in den einzelnen Kommunen auch weiterhin
unterschiedliche Gewichtungen bestehen.
Die neuen Finanzierungssysteme,
die ab 01.01.1999 im Zuge der Novellierung des § 93 BSHG Anwendung finden
werden, führen gerade im Bereich des betreuten Wohnens zu erheblichen Unsicherheiten.
Hinzu kommt, daß die bislang erfolgte freiwillige
Mitfinanzierung des Landes von 50 % der Betreuungskosten im ambulanten
betreuten Wohnen nach dem Schlüssel von 1:12 wegfällt.
Aus den nachfolgenden
Zahlenangaben geht hervor, daß momentan keine
Abstriche, sondern das Erfüllen gundlegender
Forderungen angezeigt sind.
Insgesamt zeigen die Daten sowohl
im Hinblick auf die Regierungsbezirke als auch auf die Kommunen weiterhin
höchst unterschiedliche Versorgungsniveaus.
Für den Landesfachbeirat ist
aber unverzichtbare Forderung, daß der Bereich Wohnen
in einer Art und Weise so ausgebaut werden muß, daß er für Personen, die trotz hohem Pflege- und
Betreuungsbedarf nicht in einer stationären Einrichtung leben wollen,
aufnahmebereit ist.
Aufstellung über Art und
Standort der vom Land Niedersachsen geförderten Wohngemeinschaften für
geistig und seelisch Behinderte in Niedersachsen
Tabelle 1: Regierungsbezirk
Hannover
|
Örtlicher Träger |
Einwohnerzahl1) |
Wohngemeinschaften für geistig und
seelisch Behinderte Platzzahl2) |
|
Stadt Hannover |
522.124 |
2 |
|
LK Diepholz |
206.925 |
- |
|
LK
Hameln-Pyrmont |
163.782 |
- |
|
LK Hannover |
592.162 |
54 |
|
LK Hildesheim |
292.705 |
- |
|
LK Holzminden |
83.213 |
- |
|
LK Nienburg |
124.986 |
24 |
|
LK Schaumburg |
163.875 |
24 |
|
insgesamt |
2.149.772 |
104 |
1)Quelle:
Statistische Berichte Niedersachsen (Stand 06/1997)
2)Quelle:
Niedersächsisches Sozialministerium (Stand 12/1997)
Tabelle 2: Regierungsbezirk
Lüneburg
|
Örtlicher Träger |
Einwohnerzahl |
Wohngemeinschaften für geistig und
seelisch Behinderte Platzzahl |
|
LK Celle |
179.980 |
24 |
|
LK Cuxhaven |
199.882 |
- |
|
LK Harburg |
220.838 |
24 |
|
LK Lüchow
Dannenberg |
51.944 |
- |
|
LK Lüneburg |
158.801 |
66 |
|
LK Osterholz |
106.180 |
- |
|
LK Rotenburg (Wümme) |
155.353 |
- |
|
LK Soltau-Fallingbostel |
136.822 |
40 |
|
LK Stade |
186.390 |
4 |
|
LK Uelzen |
96.264 |
- |
|
LK Verden |
130.024 |
15 |
|
insgesamt |
1.622.478 |
173 |
Tabelle 3: Regierungsbezirk
Braunschweig
|
Örtlicher Träger |
Einwohnerzahl |
Wohngemeinschaften für geistig und
seelisch Behinderte Platzzahl |
|
Stadt Braunschweig |
250.423 |
42 |
|
Stadt
Salzgitter |
116.309 |
- |
|
Stadt Wolfsburg |
123.928 |
61 |
|
LK Gifhorn |
164.772 |
30 |
|
LK Göttingen |
267.706 |
12 |
|
LK Goslar |
159.417 |
12 |
|
LK Helmstedt |
101.091 |
12 |
|
LK Northeim |
153.402 |
36 |
|
LK Osterode |
87.905 |
12 |
|
LK Peine |
128.079 |
16 |
|
LK
Wolfenbüttel |
122.906 |
- |
|
insgesamt |
1.675.938 |
233 |
Tabelle 4: Regierungsbezirk
Weser-Ems
|
Örtlicher Träger |
Einwohnerzahl |
Wohngemeinschaften für geistig und
seelisch Behinderte Platzzahl |
|
Stadt
Delmenhorst |
78.245 |
- |
|
Stadt Emden |
51.623 |
- |
|
Stadt
Oldenburg |
153.321 |
60 |
|
Stadt
Osnabrück |
166.755 |
56 |
|
Stadt
Wilhelmshaven |
89.477 |
15 |
|
LK Ammerland |
105.734 |
- |
|
LK Aurich |
182.324 |
24 |
|
LK Cloppenburg |
143.995 |
32 |
|
LK Emsland |
296.492 |
56 |
|
LK Friesland |
98.940 |
24 |
|
LK Grafschaft
Bentheim |
127.055 |
13 |
|
LK Leer |
156.413 |
12 |
|
LK Oldenburg |
115.047 |
- |
|
LK Osnabrück |
347.192 |
12 |
|
LK Vechta |
121.099 |
12 |
|
LK Wesermarsch |
94.465 |
- |
|
LK Wittmund |
55.888 |
- |
|
insgesamt |
2.384.065 |
316 |
Bildungs-, Arbeits- und Betreuungsangebote
im Einzugsgebiet des Landesarbeitsamtes Niedersachsen-Bremen
Das Angebot an Hilfen in
Niedersachsen konnte weiter verbessert werden. Die geplanten RPK-Einrichtungen in Göttingen, Dannenberg und Königslutter haben mittlerweile ihren Betrieb aufgenommen.
Das Angebot der Berufsförderungswerke für psychisch Behinderte ist um zwei
Standorte erweitert worden. Bei den Werkstätten für Behinderte, die ein
spezielles Angebot für psychisch Behinderte anbieten, ist ein starker Anstieg
zu verzeichnen.
Auch wenn im Hinblick auf Rehabilitationsangebote in Niedersachsen insgesamt Beispielhaftes geleistet wurde, gibt es immer noch ein paar weiße Flecken auf der Landkarte, so daß für die auch dort zu gründenden Sozialpsychiatrischen Verbünde - deren integraler Bestandteil die Rehabilitationsangebote sind - noch Nachholbedarf besteht. Nachdem auf überregionaler Ebene große Bereitschaft durch die Förderung verschiedenster Initiativen unter Beweis gestellt wurde, ist nun die örtliche Planungskompetenz gefragt. Besonders auffällig sind Defizite in den Regionen Emsland, Cloppenburg, Rotenburg, Lüchow-Dannenberg, Holzminden und Northeim.
Berufsbegleitende Dienste und
Integrationsfachdienste der Hauptfürsorgestelle
Die Ausstattung mit
Berufsbegleitenden Diensten - vormals Psychosozialen Diensten - und deren
Einzugsbereiche sind konstant geblieben. Zu begrüßen ist, daß
mit der Einrichtung von Integrationsfachdiensten - zwei für seelisch
Behinderte in Braunschweig und Göttingen sowie einem Fachdienst für geistig
Behinderte in Oldenburg - begonnen wurde.
Dies trägt dem Sachverhalt
Rechnung, daß Niedersachsen - wie oben gesagt - in bezug auf Rehabilitationsangebote eine Vorreiterrolle hat,
es an weiterführenden Angeboten zur Integration psychisch Kranker und seelisch
Behinderter in dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse aber noch mangelt.
Erst ein flächendeckendes Netz
von Integrationsfachdiensten, Selbsthilfefirmen und Sozialen Betrieben würde
die vielfältigen Rehabilitations- und Förderungsmaßnahmen voll zur Geltung
kommen lassen.
Der Landesfachbeirat wird daher in Kürze Empfehlungen zur Einrichtung derartiger Dienste formulieren. Die Entscheidungen über die Verwendung des Mittelaufkommens der Hauptfürsorgestelle muß fortlaufend den aktuellen Prioritäten angepaßt werden. Weil auf dem ersten Arbeitsmarkt wenig Chancen angesichts hoher Arbeitslosigkeit bestehen, werden alternative Beschäftigungsangebote auf dem zweiten Arbeitsmarkt benötigt. Hierzu bedarf es Kreativität und Fördermittel sowie Diensten, die mit den Rehabilitationseinrichtungen eng zusammenarbeiten.
Tagesstätten für psychisch
Kranke
In den letzten zwei Jahren
wurde der Bestand an Tagesstätten verdreifacht (!), so daß
jetzt insgesamt 21 Tagesstätten in Betrieb sind. Damit wurde der Tatsache
Rechnung getragen, daß Tagesstätten eine notwendige
Voraussetzung für die Integration umfassend hilfsbedürftiger seelisch
Behinderter in außerstationäre Hilfenetze darstellen. Der Landesfachbeirat
begrüßt daher die Kapazitätsausweitung sehr. Für die Zukunft sollte der
Funktionsradius der Tagesstätten im Sinne umfassender teilstationärer Hilfsangebote
erweitert werden. Sie sollte im Sinne des mit der Novellierung des BSHG ermöglichten
personenzentrierten Hilfeansatzes mehrere
Leistungstypen unter einem institutionellen Dach vereinen und somit Personen
sukzessive zu dem ihnen angemessenen System von Tagesstruktur, Belastbarkeit, zielgerichteter Beschäftigung und Gruppenintegration
verhelfen.
Die jetzt noch bestehenden Versorgungslücken in den Regionen Emsland, Cuxhaven, Rotenburg, Lüchow-Dannenberg, Uelzen und Gifhorn sollten in den nächsten Jahren sukzessive geschlossen werden.
Stationärer Bereich
Für den stationären Bereich
haben sich die Zahlen kaum verändert. Zwar ist die
Übernahme der Vollversorgung für den westlichen Teil des Einzugsgebietes des NLKH Lüneburg durch das Diakoniekrankenhaus Rotenburg geplant, gleichwohl
besteht der dringliche Neuordnungsbedarf auch in dieser Region weiterhin
(siehe hierzu auch Punkt IV. dieses Berichtes).
Im Jahresbericht 1996 legte der
Landesfachbeirat "Kriterien für die Weiterentwicklung der stationären
psychiatrischen Versorgung" vor. Der Landesfachbeirat Psychiatrie ist weiterhin
dringend daran interessiert, mit der Niedersächsischen Landesregierung und
weiteren Beteiligten ins Gespräch darüber zu kommen, wie dem Erfordernis gemeindenaher
stationärer Behandlung besser Rechnung zu tragen ist.
Der Auf- und Ausbau von Abteilungen an Allgemeinkrankenhäusern, die eine regionale Vollversorgung übernehmen können, stellt weiterhin eine uneingelöste Anforderung dar, die vor dem Hintergrund der jetzt zu gründenden Sozialpsychiatrischen Verbünde und der damit geforderten Regionalisierung noch dringlicher hervortritt.
Niedergelassene Fachärzte für
Neurologie und Psychiatrie
In den letzten zwei Jahren ist
die Anzahl der Nervenärzte in Niedersachsen zwar um gut acht Prozent
angestiegen (von 303 auf 328); allerdings verteilt sich dieser Anstieg überwiegend
auf schon bisher gut ausgestattete, vornehmlich städtische Regionen. Die
Nervenarztdichte differiert von einem Arzt auf 10.000 Einwohner in den Städten
Osnabrück und Oldenburg bis hin zu einem Arzt auf 80.000 Einwohner im Landkreis
Gifhorn.
Das 1995 festgestellte
Stadt-Land-Gefälle hat sich noch weiter verstärkt. In vielen ländlichen
Regionen besteht weiterhin ein erhebliches Defizit. Besonders gravierend ist
die Situation in den Landkreisen Vechta (1 Nervenarzt auf 40.000 Einwohner),
Leer (1:50.000) Wittmund (1:55.00 Einohner) und - wie schon erwähnt - Gifhorn (1:80.000).
Der Landesfachbeirat setzt darauf, daß es landesweit sukzessive gelingt, niedergelassene Fachärzte in die Sozialpsychiatrischen Verbünde zu integrieren. Die in den Empfehlungen der Fachkommission Psychiatrie angesprochene Notwendigkeit vermehrter Fallkonferenzen und Assessments ist hierfür maßgebend. Die Hinwendung der niedergelassenen Fachärzte auch zu den schwer psychisch Erkrankten kann nur im Rahmen eines Therapieverbunds erfolgen. Daher ist es wichtig, daß die weiter hinten abgedruckten Empfehlungen zur ambulanten psychiatrischen Krankenpflege flächendeckend umgesetzt werden. Außerdem sollten in Tagesstätten angestellte Ergotherapeuten vermehrt mit niedergelassenen Nervenärzten zusammenarbeiten.
Niedergelassene Fachärzte für
Neurologie und Psychiatrie im Bereich der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (ohne Privatpraxen; und ohne
Kennzeichnung des Praxisschwerpunktes)
Tabelle 5: Regierungsbezirk
Braunschweig
|
|
Einwohnerzahl1) |
Anzahl niedergelassener Nervenärzte2) |
|
Stadt Braunschweig |
250.423 |
16 |
|
Stadt
Salzgitter |
116.309 |
8 |
|
Stadt Wolfsburg |
123.928 |
4 |
|
LK Gifhorn |
164.772 |
2 |
|
LK Göttingen |
267.706 |
28 |
|
LK Goslar |
159.417 |
6 |
|
LK Helmstedt |
101.091 |
3 |
|
LK Northeim |
153.402 |
4 |
|
LK Osterode |
87.905 |
3 |
|
LK Peine |
128.079 |
4 |
|
LK
Wolfenbüttel |
122.906 |
4 |
|
insgesamt |
1.675.938 |
82 |
Tabelle 6: Regierungsbezirk
Lüneburg
|
|
Einwohnerzahl |
Anzahl niedergelassener Nervenärzte |
|
LK Celle |
179.980 |
8 |
|
LK Cuxhaven |
199.882 |
4 |
|
LK Harburg |
220.838 |
6 |
|
LK Lüchow Dannenberg |
51.944 |
2 |
|
LK Lüneburg |
158.801 |
6 |
|
LK Osterholz |
106.180 |
3 |
|
LK Rotenburg (Wümme) |
155.353 |
6 |
|
LK Soltau-Fallingbostel |
136.822 |
4 |
|
LK Stade |
186.390 |
5 |
|
LK Uelzen |
96.264 |
5 |
|
LK Verden |
130.024 |
6 |
|
insgesamt |
1.622.478 |
55 |
1)Quelle:
Statistische Berichte Niedersachsen (Stand 6/1997)
2)Quelle:
Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (Stand 12/1997)
Tabelle 7: Regierungsbezirk
Weser-Ems
|
Örtlicher Träger |
Einwohnerzahl |
Anzahl niedergelassener Nervenärzte |
|
Stadt
Delmenhorst |
78.245 |
5 |
|
Stadt Emden |
51.623 |
2 |
|
Stadt
Oldenburg |
153.321 |
15 |
|
Stadt
Osnabrück |
166.755 |
16 |
|
Stadt
Wilhelmshaven |
89.477 |
6 |
|
LK Ammerland |
105.734 |
6 |
|
LK Aurich |
182.324 |
8 |
|
LK Cloppenburg |
143.995 |
4 |
|
LK Emsland |
296.492 |
8 |
|
LK Friesland |
98.940 |
3 |
|
LK Grafschaft
Bentheim |
127.055 |
4 |
|
LK Leer |
156.413 |
3 |
|
LK Oldenburg |
115.047 |
2 |
|
LK Osnabrück |
347.192 |
10 |
|
LK Vechta |
121.099 |
3 |
|
LK Wesermarsch |
94.465 |
3 |
|
LK Wittmund |
55.888 |
1 |
|
insgesamt |
2.384.065 |
99 |
Tabelle 8: Regierungsbezirk
Hannover
|
|
Einwohnerzahl |
Anzahl niedergelassener Nervenärzte |
|
Stadt Hannover |
522.124 |
36 |
|
LK Diepholz |
206.925 |
6 |
|
LK
Hameln-Pyrmont |
163.782 |
8 |
|
LK Hannover |
592.162 |
17 |
|
LK Hildesheim |
292.705 |
13 |
|
LK Holzminden |
83.213 |
3 |
|
LK Nienburg |
124.986 |
4 |
|
LK Schaumburg |
163.875 |
5 |
|
insgesamt |
2.149.772 |
92 |